Die kleine Korsettschule

Welchen kulturellen und welchen modetechnischen Hintergrund haben eigentlich Korsetts? Gibt es die überhaupt noch? Wer trägt so etwas? Und was ist der Unterschied zwischen Korsett, Korsage und Schnürmieder? Und überhaupt: was hat Burlesque und Dita von Teese damit zu tun? Nichts als Fragen, die dieser kleine Artikel beantworten hilft.

Nicht erst Dita von Teese und ihr lasziver Burlesque-Tanz
hat das Schnuerkorsett (zu Englisch „corset“) wieder in Mode gebracht, viele
Retro-Trends der letzten Jahre – von Moulin Rouge bis Mad Men – spielten mit
dem Korsett, zitierten es als Schnuermieder oder Hufthalter, oder brachten es
als Corsage ganz einfach wieder dahin zurück, wo es hingehört: An
selbstbewusste Frauenkörper ungeachtet der Konfektionsgröße. Denn während
Schnürkorsett, Taillenmieder und Korsage anno dazumal zwischen Fischknochen und
Riechsalz vor allem Symbole für die Unterdrückung der Frau und die Unterwerfung
ihres Körpers unter ein allgegenwärtiges Schönheitsideal darstellten, ist das Maßkorsett
in all seiner Vielfalt heutzutage längst gleichbedeutend mit selbstbewusst
ausgelebter, weiblicher Sinnlichkeit. Sicher, es gab sie, die Zeiten, als das
Korsett, ähnlich wie sein Gegenpart, der im Allgemeingebrauch als Straps
bekannte Nahtstumpf, als Altherrenfantasie abgetan wurden, doch seit das
Korsett, aus Leder oder Seide, aus Satin, Brokat oder verzierten Stoffen,
gestreift oder gepunktet, auch auf dem Laufsteg wieder regelmäßig auftaucht,
ist klar, dass drunter wie drüber längst die neue Eleganz ausgerufen wurde. Es
gilt mit dem Korsett das Fin de Siècle auch im neuen Jahrtausend voll
auszukosten!

Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Korsett,
Korsage und Schnürmieder?

Allen dreien ist gemeinsam, dass es sich dabei um
schulterfreie, den Oberkörper eng umschließende und die Silhouette der Frau
formende Kleidungsstücke handelt. Alle drei verwenden dafür eingearbeitete
Spiralfederstäbe und sind mal mehr und mal weniger dehnbar. Je nach Art können
sie auch den BH ersetzen. Sie können sowohl als (erotische) Dessous, formende
oder stützende Unterbekleidung oder in Kleider eingearbeitet oder auch als
Oberteil als modische Oberbekleidung getragen werden. Unterschiede bestehen,
weil das Korsett, oft in Form eines Schnürcorsetts, sehr viel modellierender
auf den Körper einwirkt. Schnuercorsagen oder Korseletts sind weniger eng und
steif und wirken so auch weniger formend. Dafür bieten sie mehr Bewegungsfreiheit.
Oft sind sie elastisch und empfinden nur die Ästhetik, nicht so sehr aber die
Funktion des Korsetts nach. Mieder (bekannt als Schnürmieder, Schnuerleib oder
Huefthalter) ist ein Begriff für ein Unterwäschestück, dass mehr oder weniger
elastisch formend auf den Körper wirkt und sich durch die verschiedenen Epochen
stark verändert hat: Es wird oft synonym mit Korsett genannt, kann aber auch
die Hüfthalter der 1950er bezeichnen, die im Gegensatz zum Corsett ohne
Korsettstäbe auskommt. Alle diese Ausformungen von Mieder, Korsage oder Korsett
können auch die Funktion eines Strumpfhalters oder Strumpfbands übernehmen:
Anstelle der Nahtstrumpfhose können einzelne Nahtstrümpfe (Nahtstumpf heißt
Strapse) daran befestigt werden, um die sinnliche Wirkung des Kleidungsstücks
zu unterstützen.

Neben dem Korsett als Dessous und als Fashion-Gimmik gibt es
auch Korsettes mit medizinischer Funktion: Als Schnürkorsetts oder
Stuetzkorsett, bzw. als Stuetzmieder, wirken sie unterstützend auf die
Lendenwirbelsäule ein und werden bei Rückenschmerzen eingesetzt. Bei Bedarf an
einem Stützkorsett ist es wichtig, zunächst einen Arzt aufzusuchen, und dann
das medizinische Kleidungsstück bei einem Fachmann für Stuetzkorsetts
anfertigen zu lassen.

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