Warum ziehen sich Frauen häufiger sexy an und warum Männer eigentlich nicht?

Sexy Kleidung gehört im weiblichen Verführungsreigen zu den üblichen Methoden der Zielerreichung. Aber warum sind Männer eigentlich nicht darum bemüht, ihre Reize durch Kleidung zu betonen? Oder hat sich das geändert? Ein kurzer zeitgeschichtlicher Aufriß.Eine Frage, die mir oft gestellt wird, ist die, warum Frauen sich eigentlich sexy anziehen (müssen) und weshalb Männer dies eben nicht tun. Ich meine, es gibt verschiedene Antworten auf diese Frage.

Eine der naheliegendsten ist sicherlich, dass traditionell die Frau als Objekt der Begierde auftritt, als Trophäe des jagenden, begehrenden Mannes. Jahrhundertelang galt die Frau in wechselnden Zusammenhängen als Gebärmaschine, Statussymbol, Haushaltshilfe und Gespielin, war damit also prinzipiell körperlich verfügbar und wurde oftmals über ihre körperlichen Vorzüge definiert, während Verstand und Persönlichkeit weniger bedeutsam waren. Der Mann hingegen galt als Träger von Geist und Moral, beschützte und ernährte die Familie. So war es wichtig, dass er gesund, kräftig und gerissen war, nicht aber so sehr schön und begehrenswert.

So könnte auch heute das Korsett noch als fortgesetzter Käfig der Frauen verstanden werden, als schöne Verpackung des Geschenks, dass sie den Männern mit ihrem Körper macht. Doch ich glaube, dass in heutiger Zeit diese Erklärung zu kurz greift. Ich meine, dass gerade durch ihre jahrhundertelange Unterdrückung die Frauen gelernt haben, ihre Position auf eine weniger direkte Art zu stärken. Denn es gab niemals nur die Hausmütterchen, jeder Herrscher hatte auch seine Gespielin, die ihre weiblichen Reize (in reizender Unterwäsche) einsetzte, um genau das zu bekommen, was sie sich wünschte. Damit soll nicht die unschöne Geschichte weiblicher Prostitution glatt gebügelt werden, aber bemerkt werden, dass die Rolle der Frau mitnichten immer die passive war, die ihr zugeschrieben wird.

Die Grandes Dames des französischen Fin de Siècles nutzten ihre in Korsetts zusammengeschnürten Körper, um mit den größten Dichtern und Denkern ihrer Zeit zu verkehren und im Absolutismus war die mächtigste Person im Staat nicht immer der Absolut, sondern die Frau, die ihm in den Kopf verdrehte. Und wenn diese privilegierten Rollen nur wenigen zugänglich waren und zu einem teuren Preis erkauft waren, so haben doch viele emanzipierte Frauen heute etwas daraus gelernt: nämlich, dass die Waffen der Frau wirksame Mittel zu einem selbstbestimmten und sexuell erfüllenden Leben sein können. Corsagen, Korsetts und Schnürmieder, Highheels und Seidenstrümpfe dienen daher nicht nur dem Mann, sondern ebenso dem Selbstwert ihrer Trägerinnen.

Andersherum kann den heutigen Männern mitunter ein Mangel an Fantasie unterstellt werden, eine Unbeholfenheit, was ihre Körper angeht. Aber auch hier ist zu bemerken, dass die Zeiten sich geändert haben. Während Reizwäsche für Männer bisher erst in der homosexuellen Szene wirklich verbreitet ist, sind doch die Regale voll Antifaltencremes und Brusthaarwachs ein sicheres Zeichen dafür, dass auch Mann sich zunehmend bewusster darüber wird, dass begehrlich zu sein, seine Vorzüge hat.

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