Sind Korsetts und Schnürmieder altmodisch oder modern?

Die meisten denken vielleicht an Moulin Rouge Bilder, wenn sie an Korsetts oder Schnürmieder denken. Aber beide sind hochaktuell und derzeit wieder sehr angesagt.Korsetts und Schnürmieder sind, das ist unbestritten, modisch hochaktuell und modern. Aber dies sind sie, und das macht ein Stück weit ihren Reiz aus, weil sie auf vergangene Zeiten und vergangene Frauenbilder verweisen. In Zeiten, wo man im Fernsehen, im Internet und in der Werbung unentwegt mit Sexualität und Nacktheit konfrontiert ist, wäre es naheliegend, dass das traditionsreiche Kleidungsstück Korsett verstaubt und altmodisch wirkt und sicher: seine Schockwirkung hat über die Jahre nachgelassen.

Doch was die immer wiederkehrenden Hochphasen des Korsetts, das ewige Revival des Schnürmieders und der Corsage, und ihre stetige Präsenz auf dem roten Teppich beweisen ist, dass das gekonnte Spiel von zeigen und verbergen, von betonen und kaschieren einen anhaltenden Reiz hat. In diesem Sinne können wir auch als moderne Frauen von den Damen vergangener Epochen lernen, denn so schlagend die Argumente völliger Nacktheit auch sein mögen, das Spiel der Verführung und die Inszenierung der eigenen Weiblichkeit sind eine große Kunst.

Nicht zu verkennen ist der Begriff „Tease“ im Striptease, also das Necken und Hinhalten. Und eben diesem ist das Korsett verpflichtet. Es ist zu gleichen Teilen aufreizend und keusch, zweite Haut und Verkleidung, Käfig und Befreiung. Und als solches hat es eben auch über Jahrhunderte seinen Reiz behalten, wenn nicht sogar gesteigert, weil die heutige, moderne Trägerin des Korsetts mit diesem aufgeladenen Stück Unterwäsche (oder auch Oberbekleidung) ihre Schwestern im Geiste anruft: Die Kokotten und Grandes Dames des Fin de Siècle, die Tänzerinnen der Folies de Bergère, die ausgeleuchteten Göttinnen des Stummfilms, die Pin Ups der 40er und 50er Jahre und die Popdiven der 80er, 90er und von heute!

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